Präsentation

Das Fahnenschwingen in der Schweiz

Auf Grund alter Aufzeichnungen soll das Fahnenschwingen durch heimkehrende Söldner zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert in die Berggebiete der Urschweiz gebracht worden sein.
Andere Quellen aber belegen den Ursprung in der magischen (Altsteinzeit) und der animistischen (Jungsteinzeit) Epoche mit ihren heidnischen Weltbildern.
Magische Banngesten im Ring waren das Fahnenschwingen und der Betruf. Ursprünglich wurde ein Chästuch an einem Haselstock geschwungen, das später durch eine blutrote Seidenfahne eingetauscht wurde. Die fahnenschwingenden Hirten und Sennen trugen dazu ein Hirtenhemd.
Diese historische Tatsache lässt die Söldnertheorie etwas in den Hintergrund treten und bestärkt uns in der Annahme, dass die magisch geprägten Banngesten der Hirten und Sennen eher in Beziehung zu Sühnehandlungen mit der Blutfahne gebracht werden müssten, wie sie z.B. in der römischen Antike und im germanischen Altertum üblich waren. Der alte Spruch, „Miär wend d‘Fahne driber schwingä“ der Urschweizer Sennen, erhärtet jedenfalls diese Hypothese.
Neben Banngeste waren die Sennenfahnenschwinger aber auch darauf bedacht, an Älplerkilbis dem Publikum eine kunstvolle Darbietung zu präsentieren. Ein Nebenzweck dabei war sicher auch, dem Mitkonkurrenten zu zeigen, was man konnte. So scheint auch der Wettbewerbsgedanke beim Fahnenschwingen entstanden zu sein.
Heute wird in einer 8-10 m hohen Halle, vor einer
4-köpfigen Jury, mit einer Schweizer- oder Kantonsfahne von 120/120cm, in Tracht, wettkampfmässig geschwungen. Es gibt Einzel- und Duettvorträge. Der Durchmesser des Kreises (aussen) beträgt 150 cm, der des Richtkreises (innen) 60 cm. Ein Vortrag dauert 3 Minuten. Alle Schwünge und Übungsteile sind rechts und links auszuführen. Der Wettkämpfer beginnt mit einer Punktzahl von 30, wovon für Fehler Punkte abgezogen werden.
Die Schwünge sind eingeteilt in:
1. Unterschwünge: Diverse Wellen vorn und hinten gezogen, Urner- und Unterwaldnerunterschwünge, Beinwürfe, Kopfüberzüge usw.
2. Leib- und Körperschwünge: Anschwünge, Kopfschwünge-Wellen, Schnecken, Abschwung, Kocher, Hüft-, Rücken- und Achselwürfe usw.
3. Tellerschwünge: Dächli, Stiche, Schlängger, Doppeldächli, Stalder- und Weggiserdächli, Bein- und Rückenstiche usw.
4. Mittelhohe Schwünge: Länder, Stecher, Seitenstecher, Bürgenstöckler, hohe Schlängger, Griggelenschwung usw.
5. Hochschwünge: Rigihoch, Pilatusstich, Oberländerstich, hoher Aufwurf, Überschlag usw. 

 

Das Fahnenschwingen in der Westschweiz

Von den Anfängen des Fahnenschwingens in der Westschweiz liegen nur spärliche Zeugnisse vor. Im Gründungsjahr des WSJV soll es wenigstens einen Fähndler, beim Eintritt unseres Unterverbandes in den EJV im Jahre 1938 deren zwei gegeben haben. Leider sind sie nirgends namentlich festgehalten, wahrscheinlich handelt es sich um Adolf Ällen aus Bex und um Anton Meier aus Freiburg. Bekannt ist hingegen der erste Westschweizer Fahnenschwinger überhaupt – Sebastian Müller, genannt „Baschi“ aus Geschinen – der im Jahre 1935 dem BKJV beitrat. Dem WSJV ist er allerdings erst viel später, 1969, als eidgenössischer Veteran beigetreten. Auch Willy Baumgartner aus Freiburg kam 1959, wie später noch andere Fähndler aus dem BKJV. Mitglieder aus verschiedenen Unterverbänden haben im Laufe der Zeit in der Westschweiz eine neue Heimat gefunden, das überlieferte Brauchtum mitgebracht und weitergegeben. 1943 zählte der WSJV vier Fahnenschwinger zu seinen Mitgliedern.
Am Jodlertreffen in Morges 1942 sind erstmals zwei Fähndler an einem Jodlerfest des WSJV erwähnt. In Genf 1947 massen sich deren vier vor einem einzigen Kampfrichter Godi Zedi vom BKJV.
Anfangs der fünfziger Jahre geht’s dann zahlenmässig allmählich bergauf, wiewohl der Stand der Darbietungen bescheiden blieb. Selten findet man Spuren der Westschweizer Fähndler an Jodlerfesten, am wenigsten an den eidgenössischen. Die Ausbildung litt weiterhin – wie übrigens in den meisten Unterverbänden auch, ausgenommen der Zentralschweiz – an den fehlenden Kurs- und Übungsgelegenheiten. Der Mangel an Geld, geeigneten Kurslokalen und guten, verfügbaren Lehrmeistern, wirkte hemmend, wobei die topographischen Gegebenheiten der Westschweiz mit den relativ grossen Distanzen zwischen den einzelnen Fahnenschwingern in den verschiedenen Regionen, die abgelegenen Berggebiete und beschränkte Mobilität der damaligen Bevölkerung der Verbreitung des Fahnenspieles kaum förderlich waren.
Gegen Ende der fünfziger, anfangs der sechziger Jahre scheint das Interesse am Fahnenschwingen endlich geweckt worden zu sein (Kurs 1955). Der Verband zählte nun ein gutes Dutzend Fahnenschwinger, unter ihnen die Bekannten wie Ruedi Wenger, Ueli Zimmermann, Edmund Ellena, Louis Wuilloud, Moritz Waeber, Felix Neuhaus und andere. Im Allgemeinen fristete das Fahnenschwingen im WSJV aber weiterhin ein Schattendasein.
Durch die Freundschaft zwischen dem initiativen und fähigen Ruedi Wenger und seinem Lehrmeister, dem damaligen Obmann der Berner Fähndler Godi Blaser, kam ein neuer Wind in das Westschweizer Fahnenschwingen. Durch vermehrte Kurse und gemeinsames Üben (ohne grosse Entschädigung bei einem Kursgeld von Fr. 60.-- im Jahr), stieg das Niveau der Darbietungen, und die ersten Erfolge zeigten sich bald an den Jodlerfesten. Besonders erfreulich war die ausserordentlich starke Zunahme der Neumitglieder: von 1960 bis 1970 haben sich über zwanzig Fahnenschwinger oder Kandidaten im WSJV eingeschrieben: zwölf davon haben in der Folge zumindest die Qualifikation für ein eidgenössisches Fest erreicht.
1969 wurde den Sparten Alphornblasen und Fahnenschwingen je Fr. 200.-- an Kursgeld zugesprochen. Nun konnten endlich wenigstens die Kursleiter aus den mithelfenden Unterverbänden bescheiden entschädigt werden.
Einen Markstein in der Förderung der Westschweizers Fähndler setzte Ruedi Wenger 1972 beim Abschluss seiner Tätigkeit als Obmann, durch die Stiftung seines Wanderpreises. Die Austragung dieses Preises ist zum Kernstück der Fähndler- und Kampfrichterausbildung im WSJV geworden. Er spornt an zur gesunden Konkurrenz und fördert die echte Kameradschaft. Er dient auch als Hauptprobe vor den Jodlerfesten und zur Krönung der Besten für den friedlichen Wettkampf um den Eidgenössischen Wanderpreis.
Ueli Zimmermann blieb es vergönnt, als neuer Obmann 1973 das Erbe von Ruedi Wenger weiterzuführen und die Früchte seiner Saat zu ernten. Dank der engen Zusammenarbeit mit Josef Schnopp, damaliger Obmann der Fahnenschwingervereinigung des NWSJV (auch ein Schüler von Blaser Godi), wurde nebst der Förderung unserer Fähndler, die Ausbildung eigener Kampfrichter an die Hand genommen. Dank des inzwischen auf Fr. 500.-- erhöhten Kursbeitrages aus der Verbandskasse konnten vermehrt auch eidgenössische Kurse besucht werden. Als Folge dieser Zielstrebigkeit konnte der WSJV 1985 in Murten erstmals ein Fest mit 6 eigenen Kampfrichtern im Fahnenschwingen durchführen!
Um die Betreuung der Fahnenschwinger, nebst den zweimaligen Kursen, in den Regionen über das ganze Jahr zu verbessern, wurden 1973 erstmals Verantwortliche für folgende Gebiete bestimmt:
Hansueli Schnegg: Region Freiburg
Hans Forster: Region Neuenburg und Jura (VD)
Ueli Zimmermann: Region Waadt, Wallis und Genf
In einem weiteren Schritt wurden die Regionen 1979, anlässlich des Herbstkurses in Tafers neu gebildet, wobei je ein Regional-Obmann gewählt wurde.
Mit der Gründung der Fahnenschwingervereinigung des WSJV im Jahre 1980 hat Ueli Zimmermann seiner Tätigkeit als Obmann einen würdigen Höhepunkt gesetzt und sich bei seinem Rücktritt im Jahre 1982 die Ehrenmitgliedschaft des WSJV mehr als verdient.
1983 erhöhte dann der Verband die Abgabe an die Fähndler auf Fr. 600.--.
Mit der Einführung des Duett-Fahnenschwingens anlässlich unseres Jodlerfestes in Murten 1985 und am Wenger-Wanderpreis 1986 in Tafers hat eine neue Aera im Fahnenschwingen begonnen. Erfreulicherweise stiftete unser Fähndlerkamerad Hans Wyssbrod aus Ste-Croix einen schönen Duett-Wanderpreis.
Bei dieser neuen Art erfahren die Fahnenschwinger einen zusätzlichen Ansporn und eine einmalige Bereicherung ihres Spieles zur Freude des Publikums. Der Fähndler steht nicht mehr allein im Ring. Zwei Kreise, zwei Fähndler finden sich zum Ursprung des Fahnenschwingens, zur Schicksalsgemeinschaft, der höchsten Form der Kameradschaft, wie einst der Fähnrich im Verband der Eidgenossen.
Die Vollendung des Fahnenschwingens liegt nicht nur in der perfekten schwierigen Einzelübung, sondern auch in der sauber vorgetragenen und erlebten Gesamtübung einer eingespielten Gruppe als Krönung des gemeinsamen Fahnenspiels.
Die Obmänner der Fahnenschwinger des WSJV
1950-1960: Rudolf Hugi, Borex
1961-1971: Rudolf Wenger, Carouge
1972-1982: Ueli Zimmermann, Ecublens
1983-2006: Hansueli Schnegg, Oberdiessbach
2007-2011: Hansrüedi Zbinden, Naters

2011-        : Kuno Zbinden, St.Antoni